26 Okt

Zu wenig gute Nachrichten

Von Katharina Wefers

Heute war ein guter Morgen.

Ich stand auf und blickte zunächst einmal in die strahlende Sonne, die durch das Fenster hereinschien und roch schon den Kaffee, der in der Küche vor sich hin köchelte.

Ein wunderbarer Start in den Tag!

Der Morgen nahm seinen Lauf und ich stieg gut gelaunt ins Auto – voller Vorfreude auf eine sonniges Wochenende in Kiel.

Meine gute Laune hielt genauso lange an, bis das Radio anging und die Ereignisse der Welt wie ein Bombenhagel auf meine gute Stimmung einschlugen, bis sie vollends zerstört war.

Die einzigen Dinge, die ich hörte, drehten sich um Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Tierquälerei, Menschenhandel und Körperverletzungen – und am Ende dann der Satz: „Wir wünschen Ihnen einen guten Start ins Wochenende.“.

Was für eine Ironie?!

Ich bewundere die Menschen, die es schaffen, morgens Zeitung zu lesen und sich die detailliert beschriebene Grausamkeit der Welt aufs Frühstücksbrot zu schmieren, während ich es nicht mal schaffe, morgens die Nachrichten im Radio zu hören.

Und dann fragen wir uns, warum so viele Jugendliche fern ab der Realität, zwischen RTL2 und Videospielen ihren Alltag verbringen und „Bauer sucht Frau“ bei Jugendlichen eine höhere Einschaltquote hat, als die 20 Uhr Nachrichten.

Ja, warum wohl? Natürlich ist es keine Alternative, die Augen vor den schlechten Dingen dieser Welt zu verschließen, aber wo bleibt der Ausgleich?

Tatsächlich leben wir in einer Zeit, in der schlimme Geschichten auf mehr Begeisterung und Anteilnahme stoßen, als schöne Geschichten. Wo führt denn das hin?

Warum haben Menschen das Gefühl, dass dramatische Geschichten und Leid auf mehr Anerkennung stoßen, als positive Erlebnisse?

Hier mal ein Beispiel:

Gestern Abend habe ich mich mit zwei Freundinnen getroffen. Die eine hatte sich vor kurzem getrennt, die andere hat gerade eine neue Beziehung begonnen. Auf dem Rückweg fiel mir auf, dass der Redeanteil zu mindestens 70% um die Trennung ging. Auch wir hatten viel mehr Gewicht auf die negativen Nachrichten gelegt, als auf die positiven.

Die Welt ist im Ungleichgewicht der schlechten Nachrichten und es fängt bei uns an, das zu verändern.

Ich rufe dazu auf, eine positive Geschichte zu verbreiten und jeden Tag nur eine Kleinigkeit zu erzählen, die uns sehr glücklich macht. Und hiermit verabschiede ich mich mit einem Gruß und einem Lächeln in eine wunderschöne, sonnige Woche!

Eure Katharina.

An dieser Stelle möchte ich mit einem positiven Beispiel vorangehen und eine schöne kleine Geschichte erzählen, die sich vor nicht mal einer halben Stunde vor meinem Fitnessstudio abspielte.

Ich saß in der Mittagspause in der Sonne mit meinen Kollegen und döste vor mich hin, als ich an der Ampel unweit des Parkplatzes eine alte Dame mit einem Gehwagen entdeckte, die etwas verloren hatte. Sie wartete darauf, dass die Ampel grün wurde und schien das verlorene Stück Papier nicht zu bemerken, und wir beschlossen hinüberzugehen. Kurz bevor wir sie erreichten, gesellte sich ein älterer Herr zu ihr und gab ihr das Stück Papier, ich glaube, es war ein Lottoschein, in die Hand. Lächelnd schaute die ältere Dame den Herrn an und sagte: „Heute scheint wohl mein Glückstag zu sein“, worauf der Mann erwiderte: „Dann geben Sie mir ein bisschen davon ab und nehmen Sie meine Kaffeeeinladung an.“ Die Dame lächelte nur, schob ihren Gehwagen über die Straße und sagte: „Wenn Sie es schaffen, mich einzuholen,“ und lachend gingen sie davon. 
Ich hatte noch nie zwei ältere Menschen gesehen, die so jugendlich aussahen. Lachend standen meine Freundin und ich am Straßenrand und beobachteten die beiden, wie sie im Café gegenüber verschwanden.

Beginnen Sie den Tag mit einem Lächeln, und sorgen Sie dafür, dass es nicht vergeht! Ich freue mich auf gute Geschichten und positive Gedanken, die ein bisschen Gleichgewicht in die Welt bringen, und möchte mich an dieser Stelle bei zwei Menschen bedanken, die mich dadurch glücklich gemacht haben.

In diesem Sinne – einen schönen Tag