17 Apr

Nur die Sonnenseite gibt es nicht

… sagt Sophie Godo über Social Media

Ist es immer noch so leicht, wenn du der anderen Person gegenüber stehst? Fühlt es sich immer noch so echt an, wenn du einfach auf „Senden“ klickst oder alles anklicken kannst, was du willst? Jederzeit mit der Möglichkeit, auf die Zurück-Taste zu klicken?

 

Auf dem InstaWalk war das Posteneine Seminaraufgabe. Sonst ist es unser Alltag.

Auf dem InstaWalk war das Posten eine Seminaraufgabe. Sonst ist es unser Alltag.


 

Social Media, insbesondere Facebook, wird in nahezu jeder Altersklasse bis 50/60 Jahre immer beliebter und die Zahl der Nutzer steigt stetig. Auch wenn die Deutschen wohl immer noch zu den Zurückhaltendsten gehören, sind es bei Ü 50 doch ein Drittel und in den jüngeren Generationen noch viel mehr. Die Nutzerzahlen steigen stetig, denn Social Media ist nicht mehr nur ein Vergnügungskonzept, sondern auch ein großes Geschäftsfeld für zahlreiche Unternehmen. Nicht nur Privatpersonen haben die Möglichkeit, jeden ihrer Freunde überall auf der Welt nahezu sofort zu erreichen. Auch Unternehmen können sich in kürzester Zeit auf der ganzen Welt positionieren. Es geht schneller und es ist wesentlich kostengünstiger. Aber geht uns dabei nicht etwas Wichtiges verloren? Nicht nur in meiner Generation, auch für die Jüngeren und bei meinen Eltern und zwischen unseren Generationen? Was ist mit den persönlichen Beziehungen? Was ist mit unserer Persönlichkeit, unserer Stimme, unseren Blicken und unserem Geruch? Was ist mit der Echtheit, die wir sehen und auch wieder nicht?

Wenn wir uns umschauen, unseren Blick auf die jüngste Generation richten – kleine Kinder haben schon ein eigenes Smartphone und verbringen den grössten Teil ihrer Zeit mit einem iPad. Früher haben wir uns im Kindergarten beim Puppenspielen kennen gelernt oder beim in die Pfützen springen oder beim Fangen spielen. Ist das heute auch noch so und wie wird das in ein paar Jahren sein? Wenn man den Blick weiter schweifen lässt, dann findet man in vielen Unterhaltungen nebenbei auch immer das Smartphone. Bekommt der Mensch uns gegenüber wirklich die Aufmerksamkeit, die er verdient, besonders wenn wir ihn von Herzen lieben?

Früher waren wir bei Facebook unter uns. Doch seitdem auch Eltern und andere Verwandte es für sich entdeckt haben, teilen wir Bilder von der letzten Party nicht mehr gern in unserer Timeline. Auch weniger verfängliche Dinge posten wir nicht – einfach nur, weil wir wissen, dass unsere Eltern es sehen könnten. Durch ausbleibende Posts meiner Freunde ist mein Newsfeed eine einzige Werbefläche, in der mir Facebooks Algorithmus Dinge vorschlägt, die mich interessieren sollen. …

schreibt Sebastian Wochnik am 11. März 2015 über Jugendliche und Soziale Netzwerke in golem.de, zitiert nach handelsblatt.com

Auch wenn Facebook uns mit so vielen Menschen verbindet, so trennt es uns auch. Wie uns das Zitat erläutert, ist Facebook bei den jüngeren Generationen schon wieder out, wenn die Eltern sich dafür begeistern. Nicht nur im Netz trennen sich die Wege demnach, sondern auch Zuhause, wenn jeder mit seinem Smartphone beschäftigt ist und jeder über sein eigenes Video lacht. Wenn man nicht mehr zusammen shoppen geht, sondern jeder für sich im Netz Online-Shops durchstöbert. Wenn man nicht mehr ins Büro muss und mit seinem Team ein Projekt meistert, sondern alles über eine Internetplattform läuft. Wenn du nicht mehr das Haus verlassen musst, um etwas zu erledigen, sondern sich alles in deinem Leben per Internet lösen lässt.

Aber das Wichtigste, das was mir am meisten Sorgen macht, was ist das Persönliche, das Zwischenmenschliche! Wie schnell kann man sich missverstehen, wenn man sich nur schreibt? Wie bedeutungslos können Worte werden, wenn wir sie jemandem per SMS mitteilen, anstatt dem Anderen in die Augen zu sehen, um das Lächeln oder die Verletzung oder die Wut wahrzunehmen? Wie schnell können wir etwas falsch einschätzen, Grenzen übertreten und Dinge von uns geben, die wir nicht zurücknehmen können. Einfach weil es so leicht ist, auf „Senden“ zu drücken und einfach, weil die Echtheit in diesem Augenblick eine andere ist als die wirkliche Echtheit.

Bei allem was ich schreibe, nehme ich mich nicht davon aus. Ich bin selbst im Besitz dieser Geräte und nutze sie viel und in vielen Bereichen meines Lebens auch gerne, aber es gibt Grenzen für mich, die ich an manchen Tagen doch irgendwie ungewollt ein klein wenig überschreite. Manchmal bin ich enttäuscht, dass ich an einem Tag mit einer guten Freundin so viele unglaublich wichtige Nachrichten schreiben musste oder das ich Augenblicke in einem Film nicht mitbekommen habe, weil der Mantel bei Zara in meinem iPad wirklich superschick ist. Mir selbst geht etwas verloren, auch wenn es nur eine Klitzekleinigkeit ist, vielleicht übersehe ich irgendwann etwas wirklich Wichtiges. Ich weiß es nicht. Ich hoffe nicht. Das Leben ist wertvoll, wunderschön und wir sollten es mit all unseren Sinnen fühlen und leben. Und wenn das auch heißt, dass ich mich für schwierige Gespräche überwinden muss und ich all meinen Mut zusammen nehmen muss, um jemandem zu sagen, wie viel er mir bedeutet, so ist dieser Weg für mich der Ehrliche und Richtige.

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