21 Aug

New School oder doch Old School?! – Social-Media und Einkaufszentren

Von Bennet Lütjens

Es ist Donnerstagmorgen, 14. August 2014: die Sonne scheint durch die Jalousie – erster Gedanke: da war doch noch was….

Achja, die Erinnerung an eine Recherche-Aufgabe kommt aus den tiefen der Gehirnwindungen wieder hervor. Also ab: Aufstehen, fertig machen und los. Noch hält sich die Begeisterung in Grenzen und die Frage:“ Wen interessiert der Scheiß überhaupt!“ schwirrt schon bei der ersten Zigarette durch den Kopf, ich kann ihnen jetzt schon Versichern dieser Gedanke und wird die nächsten Stunden durchgehend begleiten;).

Tibarg 1Ich begebe mich also zu einem der kleineren Einkaufzentren von Hamburg, das in meinem direkten Einflussgebiet liegt. Das weltberühmte, oft kopierte und doch nie erreichte Tibarg Center. (Ein kleiner Lacher ist jetzt durchaus gestattet, Anm. d. A) Da das Wetter am heutigen Tag mitspielt und ich selbst auch bei relativ guter Verfassung bin, lasse ich mich trotz meiner ersten negativen Gedanken und der immer wieder auftretenden Buchstabenfolge: WTF (What the F***) relativ gutgelaunt und motiviert auf die Recherche ein.

Da Soziale-Medien uns heute eigentlich überall begleiten und unterstützen (positiv sowie negativ), finde ich es relativ interessant, wie sich unsere NiendorferVersion der Malls aus den guten alten USA in diesem Bereich präsentiert und die Cyber-Welt nutzt, um das Käuferpotenzial zu generieren. Content, Involvement, CRM (Customer Relationship Management) und Direct Response geistern heute ja durch die Köpfe der Management Eliten. Da wird bestimmt was geboten, denke ich … Zurück zum Thema: ich nähere mich also dem Tibarg Center.

Tibarg 2

Eigentlich macht das Shopping Center gar keinen schlechten Eindruck: es ist ein relativ neuer Bau, viel Glas und Stahl. Das Logo ziert den Eingangsbereich und der Menschenfluss rein-raus  floriert. Das Publikum tendiert eher Richtung Ruhestand und sieht nicht mehr ganz so jung. Aber vielleicht täuscht der äußere Eindruck ja und drinnen steppt der Bär.

In Hinblick auf meine Recherche fällt mir sofort der von Werbung gespickte Türbereich auf und ich beschließe, in guter „Aller guten Dinge sind Drei“ Manier die Begrüßungszone genauer unter die Lupe zu nehmen.

Tibarg 3

 

Mit einem geschulten Blick nehme ich die Werbebotschaften genauer unter die Lupe und stelle fest, dass es sich wirklich um Werbemaßnahmen mit Einfluss von Social-Media Kanälen handelt. Es werden Programmangebote mit QR-Codes beworben, wobei ich mich bis heute Frage stelle, wer scannt die Dinger überhaupt. Aha, dann Hinweis auf einen Facebook und flippige Testamonials starren mich in der üblichen Hipster-Pose an. Also alles richtig gemacht? Ich stelle dies sofort in Frage und surfe  per Smartphone auf die beworbenen Inhalte, um mir ein genaueren Überblick zu verschaffen.

(Hinweis an dieser Stelle: das Center habe ich noch nicht betreten)

 

Tibarg  FB

Auf der Facebook-Seite angekommen sehe ich als erstes das letzte Eintragungsdatum: 30.Juli. Ok, gut zwei Wochen her. Etwas über 6000 Fans interessieren sich also für solche Werbepostings. Ich frage mich, warum das Center Management überhaupt eine Facebook Seite macht und habe ein Déjà-vu der bereits bekannten Buchstabenfolge WTF!.

Mir fällt sofort der Facebook Auftritt der deutschen C-Promi-Elite ein:  Kay One und Prinz Markus van Anhalt (Keine Sorge, falls Sie die nicht kennen, es würde Ihr Weltbild nicht grundlegend ändern, wenn Sie hier nachbessern), denn bei diesen Personen wird einiges in der Online-Darstellung richtig gemacht – vor allem werden deren Facebook-Auftritte regelmäßig gepflegt. Beim zweiten Blick fiel mir aber ein noch viel verstörender wirkendes Detail im Plakat auf: der komplett neben der Spur wirkende, leere Ausdruck des Testamonials. Was hat der genommen und welcher Marketing-Profi hat das abgesegnet, denke ich sofort  mit verschmitztem Lächeln 😉

Aber noch ist ja nicht alles verloren – vielleicht reißt der QR-Code zu dem Programmangebot: „Da Vinci- einer interaktiven Ausstellung“ das Ganze ja raus. Einmal gescannt wird man direkt auf die Website: http://www.tibargcenter.de/events.html weitergeleitet und !!! Surprise Surprise !!!  der Auftritt wirkt wirklich gut!!!  Es gab weitreichende Informationen, einen Newsletter, eine Shop-Übersicht, eine Center-Zeitschrift und sogar ein Lageplan zum Download steht dort zur Verfügung. Das Ganze ist in einem schlichten, hellen Design gehalten und sogar eine hübsche Frau strahlt mir entgegen (Nicht der komatös wirkende Holland Touri der Facebook Werbung).Gefällt mir … sehr gut. Es wirkt rund und durchdacht, ja sogar an die Zielgruppen gerichtet.

Mittlerweile bin ich in den Konsumtempel eingetreten und werde erschlagen von künstlichem Licht und den alt bekannten Schriftzügen von LOTTO, H&M, MC Donalds, Rewe und Co. Eine Eingangshalle und die üblichen Sitzbänke begrüßen mich in dem komplett ausgeleuchteten Eingangsbereich. Es folgen drei Stockwerke und eine Reihe an Cafés,  Restaurants und Fast-Food Läden. Alles wie überall anderswo …

Nach einer kurzen Besichtigung und einer kleinen Stärkung suche ich gezielt nach Social Media Angeboten, es hatte doch so gut begonnen … Ich suche und find doch nur ein „verstrahltes“ Gesicht und Hinweise auf Da Vinci (Da hätte man doch super eine Art Schnitzel-Jagd oder ein Quiz einbauen können). Das „Tibarg Journal“ steht irgendwo in einer Ecke und rottet vor sich hin.

Tibarg 4

Tibarg 5Bei der Begutachtung der Angebote des Einzelhandels und der Geschäfte fällt mir auf, wieviel bei richtiger Kommunikation und Kombination an allgemeinem Nutzen für alle dabei herausspringen könnte. So bietet die Thalia Buchhandlung W-LAN Hot-Spots für Kunden an, jedoch ist dies fast überall im Center verfügbar. Andere Geschäfte betreiben eigene Online Shops. Also warum nicht alle Geschäfte verbinden und einen gemeinsamen Shop aufbauen? Dieser fehlt nämlich auf dem ansonsten guten Internet-Auftritt vom Tibarg Center. So könnte sich der Kunde direkt überall im Center über die Angebote informieren und so schneller und bequemer zu den relevanten Informationen für sich kommen. Ein innerliches WTF baut sich wiederum auf und ich bin der festen Überzeugung, dass es besser geht.

Auf einmal stehe ich also da, einen Smoothie in der Hand, irgendwie ratlos und leicht verwirrt. Mein Fazit:

Bei richtigem Einsatz, einer Portion Kreativität und kontinuierlicher Umsetzung sowie Pflege kann hier eindeutig ein Mehrwert für den Konsumenten entstehen und ein Involvement von diesem erreicht werden (Image und Kundenbindung Kinners!). Jedoch wurde dieses leider nicht durchgezogen vom ambitionierten Team des Tibarg-Centers. Ein bisschen mehr Mut und Kreativität wäre hier zu wünschen. Es könnte alles so schön sein, aber schon der verstörende Eindruck des hirntoten Facebook-Werbe-Gesichts prägt sich leider ein und wird mich wohl in meinen Träumen verfolgen. Positiv fällt jedoch der mit QR-Codes versehende Web Auftritt auf, der gut gestaltet und übersichtlich herüberkam. Zielgruppengetreu wird hier auf das Nachbarschaftsgefühl verwiesen und der Kunde fühlt sich gut aufgehoben. Ganz nach dem Motto: Service vor!

Der Social-Media Auftritt ist zwar ganz passabel, sticht jedoch nicht heraus und fesselt den Kunden nicht. Es wirkt eher so wie: alle machen das, also machen wir das auch,  haben aber eigentlich keinen Plan (Parallelen zu dem Werbegesicht des Facebook-Plakats sind wohl nicht beabsichtigt). Richtig eingesetzt kann ich mir aber recht gut vorstellen , dass das funktionieren  kann.

Abschließend mein Appell an alle Shopping-Malls, Einkaufszentren und Passagen: wenn ihr uns auch bei Facebook und Co erreichen wollt,  dann doch bitte mit dem kreativen Enthusiasmus eines Gamers vor dem Endgegner und mit ein bisschen mehr Elan. Ihr könnt eigentlich nur wenig richtig machen, aber vieles verkehrt.

Daher ALL or Nothin`