26 Okt

Mobile Stalking oder die Zukunft der Unterhaltungsbranche?

Von Mats Wesling

Wie die Live-Stream App Periscope die Unterhaltungsbranche revolutionieren könnte, aber vor allem Einblicke in die Privatsphären ihrer Nutzer zulässt – total langweilige Privatsphären.

Von zwei jungen Herren entwickelt und anschließend vom Social-Network-Riesen Twitter akquiriert, ist die App Periscope im Frühjahr 2015 im App- und im Google- Play-Store erhältlich.

Sie ist ein weiteres amerikanisches Soziales Netzwerk, entstanden im Strom ihrer zahlreichen Mitbewerber. Doch sie hat allen anderen etwas voraus. Sie ist einzigartig. Mit einem wahren USP. Via Periscope lassen sich Bild und Ton eines Geschehens live ins Netz übertragen. Für jeden zugänglich. Vorausgesetzt er oder sie besitzt einen Twitter-Account.

Diese App könnte die nächste große Revolution der Mediennutzung einläuten. Und auch das letzte Bisschen Privatsphäre ihrer User in Anspruch nehmen.

Periscope ist noch ein einfach gehaltenes Netzwerk. Der eigene Twitter-Account dient dabei als Profil, in dem deine Follows, Follower und „Likes“ angezeigt werden. Außerdem kannst du deinen Live-Stream aufnehmen und als Video dauerhaft zur Verfügung stellen. Über eine Weltkarte oder eine Liste lassen sich alle öffentlichen Live-Streams einsehen. Sofern die Funktion freigeschaltet ist, haben alle Zuschauer eines Streams die Möglichkeit ihre Kommentare über den Chat mit der Crowd zu teilen.

So lässt sich zum Beispiel ein morgendlicher Lauf durch den Central Park, NY verfolgen oder eine Pressekonferenz eines Fußballtrainers, der seinen Rücktritt erklärt.

Die meisten Live-Streams sind allerdings schlichte Question & Answer-Runden. Inhaltslose Phrasen wie „How are you?“ und „Heeeellloooo from

Kazachstan“ sind hier keine Seltenheit. Doch auch die Hate-Welle, die zurzeit auch in anderen Sozialen Netzwerken zu beobachten ist, schlägt sich hier nieder. Die Personen hinter der Kamera werden beschimpft, junge Mädchen aufgefordert sich auszuziehen und Minderjährige skrupellos angebaggert.

Das volle Potential der App wird bisher nur selten ausgeschöpft. Momentan noch ein Zufluchtsort für Gelangweilte, könnte sich die App bei einer größeren Zahl an Usern und deren Anspruch interessante Inhalte zu streamen zu einer echten Alternative zum Fernsehen entwickeln.

Fußballspiele via Periscope statt für 19,99€ im Monat auf Sky. Ein Robbie Williams Konzert aus Melbourne live miterleben. Oder ein Live-Making-Of von einem Film-Set auf deinem Smartphone.

Selbstverständlich gibt es dabei rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten. Nicht jedes Event oder Geschehnis darf live-gestreamt werden. Doch würde sich die Anzahl der User auf ein Level von Twitter, Facebook & Co.

begeben, wären Veranstalter auf lange Sicht gezwungen Periscope als Plattform zu verwenden.

Bis dahin ist es sicherlich noch ein langer Weg. Und solange genießen wir den wenigen niveauvollen Content und ab und zu auch stumpfe Q&A’s.