13 Okt

Ist schon jetzt unser #LebenZerstört?

Gedanken zum Hashtag-Meme von Pia Gätjens, Nadine Dirks und Eva Zilling

Bildschirmfoto 2014-10-13 um 15.16.44

Ein schlechter Tag. Ein schlechtes Leben. Schuld ist das Wetter, kein Geld oder ein falsches Horoskop. Dem neusten Trend zur Folge ist es das Internet. Stumpfsinnig starren Jugendliche auf ihr Smartphone. Verpassen die nächste Haltestelle. Den Blick nach unten gesenkt, rennen sie die Passanten auf der Straße um. Die ältere Dame beim Bäcker beschwert sich. Doch in den neusten Post vertieft, nimmt das niemand wahr.

LebenZerstoert4Keiner läuft los, wenn die Ampel auf grün springt – die Reaktionszeit ist dank neuester Technik reduziert. Nur unsere Finger können jetzt schneller tippen. Ist das Smartphone schuld oder begann schon alles mit der Erfindung des Internets? Wir teilen lieber lustige Bilder und erheiternde Videos statt ein Lächeln oder eine Minute. Wir liken. Aber nicht unser Hobby, sondern eine irrsinnig interessante Rezeptseite, die uns erzählt, wie man kocht. Das konnten unsere Großmütter auch schon. Ohne Internet.

Wir existieren nur noch im Leben und leben in der Existenz des Internets. Auf Plattformen wie Youtube, Facebook, Twitter … aber nennt man das: das Leben leben? Wie wäre es, ohne Internet einen Tag mit Freunden zu verbringen? LebenZerstoert3Das Leben zu genießen und nicht stillschweigend nebeneinander her zu existieren? Wir tauschen uns nicht mehr aus. Die Kommunikation läuft schriftlich über den Messenger. Hoffnungslos zerstört ist die Face-to-Face Unterhaltung und das Telefongespräch. Dabei sehnen wir uns so oft nach rührenden Worten oder körperlicher Nähe. Aber dafür wurde ja das Anstupsen erfunden. Wenigstens ein wenig Aufmerksamkeit.

LebenZerstoert2Der Drang sich mitzuteilen, ohne das es vermeindliche Freunde interessiert, ist enorm. Doch jeder ist genervt von den anderen. Streitgespräche arten aus. Gefühle kann man noch nicht versenden. Jeder vereinsamt. Ein aufmunterndes Emoticon ist da selten eine Hilfe. Dabei ist das Internet ja gar nicht wie ein Tsunami, der in unser Leben trat. Wir haben uns früher auch zum Spielen verabredet und sind auf Bäume geklettert. Aber dann war es wie so ein schleichendes Gift, das unser Leben auf eine Existenz beschränkte. Immer seltener gehen wir zusammen Essen, etwas Trinken und wenn, dann wird der beste Club im Internetranking ausgewählt.

Das Internet ist unsere größte Stütze, vereinfacht die Informationsbeschaffung. Hilft wie ein Krückstock. Oder wie eine Gehhilfe und mittlerweile haben wir verlernt, wie es ist, ohne diese zu leben. Wie ein alter Mensch, der 21 Jahre Lebenszeit auf dem Buckel hat. Lebenszeit, die nicht wirklich bis zum äußersten gelebt wurde. #LebenZerstört

LebenZerstoert