17 Apr

Grenzenlos vernetzt ist nicht sozialer

… sagt Laura Prötz.

Je näher eine Generation der digitalen Welt ist, desto mehr lebt sie in sozialen Netzwerken. Trends haben schon immer das Verhalten (Konsum-, Kauf-, Nutz-) beeinflusst.  Zum Beispiel die Entwicklung des Handys: es kommt auf den Markt und jeder möchte es haben, sobald es bezahlbar geworden ist. Der Markt, die Wirtschaft und die Gesellschaft, also wir, machen alles dafür, dass es bezahlbar wird, in Form von Verträgen und besonderen Angeboten, mit dem Ziel, die große Kundschaft, das Massenpublikum an sich binden zu können. Wir forschen und entwickeln und aus dem einst so tollen Handy, mit dem man telefonieren und SMS schreiben konnte, entsteht nach kurzer Zeit das Smartphone, welches heute nicht mehr wegzudenken ist. Seit 2007 bietet uns das Smartphone immer mehr „erleichternde“ Funktionen, die uns über das WLAN das Leben vermeintlich verbessern bzw. verschönern. Der kleine tragbare Computer.

Und was machen nun Smartphones in Kombination mit den Social Media für uns? Schlussendlich haben wir unsere Freunde in jeder Lebenslage mit dabei. Und zwar alle auf einmal, egal wo man wohnst, ob man auf der Arbeit, in der Schule oder im Urlaub ist. Jeder könnte, vorausgesetzt man ist bei einer dieser Social-Media-Plattformen angemeldet, dem anderen mitteilen, wie es ihm gerade geht, was er macht oder wo er sich gerade befindet. Ohne dafür einen Mehrkostenaufwand über das Telefon zu haben. Das Auslandsgespräch wird nun über Social-Media-Kanäle wie Facebook und WhatsApp in Form eines Chats oder über Twitter mit Kurz-Statement-Tweets oder bildlich über Instagram ausgetragen.

Facebook Generationen 2

Aber wer nutzt das alles? Auf jeden Fall sind die Social-Media-Kanäle verbreiteter in den jüngeren Generationen, denn sie wachsen mit diesen Dingen auf. Für sie ist die Nutzung eine Selbstverständlichkeit. Sie machen ihnen keine Angst. Die Berührungsängste, etwas Neues auszuprobieren, werden immer weniger, denn man kann fast alles austesten und wieder sein lassen, wenn es einem nicht gefällt.

Facebook Generationen 3

Und wie verhält es sich mit der älteren Generation?
Ich denke, die Grenzen zwischen jung und alt verschwimmen immer mehr. Man kann nicht wirklich sagen, ab welchem Jahrgang zum Beispiel Facebook wichtig oder unwichtig ist. Es kommt immer mehr darauf an, in welchem Umfeld man tätig ist oder lebt.
Viele kommen schon alleine wegen ihrer beruflichen Tätigkeit mit Facebook und anderen Social-Media-Kanälen in Berührung. Eine Adaption in die private Nutzung bleibt da bei vielen auch nicht mehr aus.

Nicht nur die Social-Media-Kanäle sind für die ältere Generation ab (sagen wir mal) 70 Jahre ein Rätsel. Unter ihnen gibt es auch viele, die nicht mal einen Computer, ein Mobiltelefon geschweige denn Internet haben. Heute funktioniert das eine ohne das andere nicht. Also gibt es Menschen wie Oma und Opa, die damit gar nichts anfangen können und auch nicht wollen. Für sie „reicht“ der Brief und das Telefonat und die damit verbundene Verabredung auf ein persönliches Treffen. In unserer Generation nicht mehr vorstellbar, denn im Alltag ist das nicht immer mehr sofort umsetzbar. Die Termine im Kalender haben nämlich mit der Zeit nicht ab- sondern zugenommen. Oder provokativ ausgedrückt: die Bereitschaft sich auf den Weg zu machen, um mal kurz bei einem Kaffee einen Klönschnack zu halten, ist seltener geworden. Ich kann ja chatten, skypen, Bilder schicken, von dem Ort aus, wo ich gerade bin – und wenn es beim Kaffee im Bett ist – ohne Kilometer dafür zurücklegen zu müssen.

Facebook lässt „Grenzen“ überschreiten. Am Anfang ging es darum, vernetzt zu sein mit Freunden und Familie auf der ganzen Welt. Darum, immer mal die Neuigkeiten mit den Menschen zu teilen, die ich nicht mehr so leicht „persönlich“ treffen kann, da sie nicht in meiner Nähe wohnen. Heute ist viel mehr damit vernetzt: Unternehmen, Interessensgruppen, Fremde, Bekannte, Verwandte….. Einfach alle und alles! Jeder mit jedem und jeder mit etwas! Mal mehr und mal weniger.

Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, zu denen zähle ich mich ein wenig. Als alles angefangen hat mit MySpace, Schüler-VZ, Studi-VZ oder ICQ, da habe auch ich fleißig mitgemacht: Weil es spannend war, was Neues kennen zu lernen und weil man „mitmachen“ wollte bzw. musste, um nicht außen vor zu sein. Je mehr ich in den letzten Jahren angefangen habe, mich mit mir selbst auseinander zu setzen, desto mehr habe ich auch angefangen, Dinge zu hinterfragen. „Alles“ muss man nicht mitmachen, man kann es. Wir sind in einer Zeit angekommen, wo alles so schnelllebig ist, dass man morgen schon nicht mehr weiß, ob es die Plattform überhaupt noch gibt, bei dem ich mich heute anmelde oder ob es schon wieder abgelöst worden ist durch eine andere neue „bessere“, „aufregendere“ oder „noch erleichternde“ Alternative. Die vielen Optionen auf Vernetzung trennen Generationen und trotzdem sind sie miteinander vereint. Denn wenn es nicht diese „krassen“ Unterschiede geben würde, könnte die eine Generation von der anderen nichts mehr lernen. Was zählt, sind nämlich die kleinen Dinge, die grundsätzlichen Dinge im Leben. Diese sind von Dauer und bringen Freude auf die eine oder andere Weise für jeden individuell.

Welche das sind, ist egal: … ob Facebook, damit ich mich verbunden fühlen kann oder ein Kommentar abgeben kann, … ob ich ein Buch schreibe und das mit meinen Gedanken veröffentliche, … oder mein Tagebuch im Altersheim führe… Es ist für jeden das passende dabei.

Unsere Gesellschaft scheint toll zu sein, denn es sieht so aus, als könnte alles möglich sein.

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