26 Okt

Fußball aus der ganzen Welt auf Facebook

… Wie eine einfache Körpertäuschung oder ein glücklicher Tunnler zu Internet-Hits werden
Von Tim Weber

Ich erinnere mich noch gut daran: Ich öffne Facebook, scrolle durch meine Timeline und sehe direkt, welcher meiner Freunde sich wo befindet, was er gerade treibt oder welche Gedankengänge ihn bewegen. Die Möglichkeit, sich mitzuteilen wurde von nahezu jedem genutzt. Es war etwas Neues, etwas Spannendes und vor allem Unterhaltsames. Mittlerweile liegen diese Erfahrungen einige Jahre zurück.

Melde ich mich heute bei Facebook an, werde ich mit einer Flut an Katzenvideos, Partyfotos oder Blitzerwarnungen bombadiert. Die einfachen Statusmeldungen meiner Freunde verschwinden zusehends – lediglich ein paar Postings von Personen, die es verpasst haben, dass es niemanden mehr interessiert, in welchem Restaurant sie sich gerade befinden, tauchen hin und wieder auf. Facebook verliert in meiner Altersklasse zunehmend an Bedeutung: Diese Meinung vertrete ich in meinem Freundeskreis nicht exklusiv. Dennoch melde ich mich täglich bei Facebook an und nutze wie mittlerweile mehr als eine Milliarde Menschen dieses Netzwerk. Warum fragt man sich. Wenn doch der Reiz daran deutlich verloren hat.

Die Antwort darauf ist genau so simpel wie absurd: Logge ich mich nicht regelmäßig bei Facebook ein oder schlimmer noch: besitze ich nicht mal mehr einen Facebook-Account, dann verpasse ich aktuelle Geschehnisse ohne Ende. News rund um die Politik, den Sport, die Wirtschaft würden mir verwehrt bleiben. Um dies nicht zu riskieren, um schlicht informiert zu sein oder einfach um mitreden zu können, ist es unabdingbar, den täglichen Routinebesuch bei Facebook durchzuführen. Aber natürlich spielt auch die Unterhaltung eine große Rolle. Vielleicht ist sie sogar der mit Abstand wichtigste Faktor unter den genannten Bereichen.

In diese Kategorie passen auch die Fußballvideos, die gefühlte 60 Prozent meiner Facebook-Startseite belegen. Interviewausschnitte, Traumtore und die unnormalsten Demütigungen von Weltstars wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Co. können zu Haufe bestaunt werden. Man kann fast das Gefühl bekommen, dass in der Kabine des FC Barcelona vor einem wichtigen Spiel Neymar zu Messi sagt: „Lionel, heute werde ich den Gegner dreimal tunneln, um wieder der Internet-Hit zu sein!“ Die Reaktionen auf diese Videos sind unvorstellbar: mehrere 100.000 Likes und tausende Kommentare. Jeder Nutzer gibt seine Meinung ab und markiert seine Freunde unter diesen Videos – Unterhaltung pur!

Aber nicht nur die Videos der Stars machen die Runde. Mittlerweile taucht jeder Amateurspieler, der es gerade so schafft, 5 Schritte geradeaus zu machen, auf Facebook auf, wenn ihm zufällig eine elegante Körpertäuschung oder ähnliches gelingt. Zu verdanken ist das vor allem dem technischen Fortschritt, der er ermöglicht, dass jedes Amateurspiel in voller Länge gefilmt wird. Die Fanbase für diese Art von Videos ist aber ebenfalls gigantisch: auch hier gibt es Reaktionen ohne Ende. Der Grund dafür dürfte nicht zuletzt sein, dass man sich in die Lage der Amateurkicker hineinversetzen kann. Diese Aktionen finden zu Haufe in den eigenen Spielen statt, sie werden Thema in den Trainingseinheiten, wenn man sich mit den Teamkollegen austauscht und so weiter und so weiter.

Das Beispiel Fußballvideos zeigt sehr gut: Es lohnt sich nach wie vor, täglich Facebook zu nutzen und voraussichtlich wird sich das in den nächsten Jahren nicht ändern. Das ist Facebook, das macht Facebook aus.

Man findet Gleichgesinnte mit denen man sich über jeden noch so sinnlosen Beitrag unterhalten kann. Und sind wir mal ehrlich: Wer von uns teilt sich nicht gern anderen mit?